Bericht EM 2005 am Traunsee (A)

Spätestens am Sonntag vor Auffahrt fanden fünf Schweizer Piraten den Weg ins Salzkammergut, wo die EM durch den SC Ebensee im Rahmen der Traunseewoche organisiert wurde. Total waren 66 Piraten aus sechs Ländern anwesend – ein stattliches Feld.

Die Vermessung zu Beginn der Meisterschaft war wohl recht umfangreich aber gut organisiert und dadurch für das Gros schnell erledigt. Einige Crews mussten jedoch Ausgleichsgewichte (bis 2 ½ kg) anschrauben oder zu üppige Segel ins Limit schneidern. Bei fehlendem CE-Kennzeichen auf der Schwimmweste war man etwas grosszügigerJ. Am Sonntag war der Wind sehr launisch, so dass die Erkundungsfahrten bald abgeschlossen waren.

Das Practice Race am Montag wurde bei stark drehenden Winden ausgetragen. Man hatte zeitweise den Eindruck, dass der Wind sogar direkt aus den schroffen Felswänden bläst. Viele Crews hatten gar nicht bemerkt, dass nur zwei Runden zu segeln sind. Im Anschluss wurde unter gehörigem Spott zumindest auf La Ola gemessen, an den Salingen geschraubt und optimiert. Das erste Race am Folgetag hat dafür mehr als genug entschädigt: Es ist ein unglaubliches Gefühl, nach der ersten Kreuz fast 60 Piraten hinter sich zu sehen und die Position halten zu können!

Anlässlich der Eröffnungsfeier, die von der rund 25-Köpfigen Werkskapelle von Solvay umrahmt wurde, durfte unser Präsi die Schweizerfahne zum Schweizerpsalm hissen.

Am Dienstag lachte die Sonne und die Thermik zog durch. Die Wettfahrtleitung konnte pünktlich kurz nach 10 Uhr erstmals starten. Bei Thermik war der Start absolut entscheidend, denn es galt den ‚Ho-Chi-Minh-Pfad‘ an der westlichen Felswand mit möglichst ungestörtem Wind zu erreichen und dort hochzukreuzen. Es konnten gleich vier Läufe gesegelt werden; damit war die EM bereits gesichert und alle waren froh darüber, denn die Wetteraussicht für die kommenden Tage war eher pessimistisch d.h. regnerisch trüb und es war Westwind angesagt, welcher üblicherweise nur im nördlichen Seebecken saubere Bedingungen bietet. Leider wurde Flitzpiepe und andere Boote von der Jury mit zweifelhaften Aussagen betreffend Bojen-Berührung disqualifiziert, auch wenn die Jury es aus 30 m Entfernung und unzweckmässiger Position nicht wirklich genau beobachten konnte – und das sogar eingestand.

Simon Petrus hatte Einsehen. Am Mittwoch klarte das Wetter überraschenderweise bald auf und es stellte sich erneut Thermik ein, auch wenn sie zwischendurch auch nur mager zog. Es waren wiederum vier Läufe und die Wasserzeit betrug erneut gut sechs Stunden. Flitzpiepe konnte sich dank einer ersten und einer zweiten Laufrangierung nach vorne hangeln. Nuifroda musste im Gedränge vor der Luv-Tonne einmal unglücklich ausweichen und geriet dabei in übler Schräglage vor einen leider vortrittsberechtigten Bug, von dem sie unter dem Heck-Tank gerammt wurde, so dass die äussere Sandwich-Schicht aufriss. In Rainers Wohnung wurden dann vorübergehend keine Haare mehr getrocknet, dafür lief der Föhn über die Kaltfront bedingte Gewitternacht unter dem Boot, das am morgen früh gekonnt provisorisch gespachtelt wurde. Die Eidgenossen genossen übrigens den Abend für einmal auswärts in der ebenso heimeligen wie rustikalen ‚Mostschenke im Heustadl‘ bei feinem Essen, obwohl die meisten auf der Rangliste nach hinten gereicht wurden.

Am Donnerstag war das Wetter trüb mit Morgennebelfetzen und als etwas Südwind aufkam, schickte die Wettfahrtleitung die Crews übers Wasser zum Startgebiet Richtung Gmunden, um die Boote bei Flaute gleich wieder zurückschleppen zu können. La Ola machte einen kleinen Ausflug und konnte zeitweilig auf gewitterhaften Böenserien selbst auf Vorwind ‚davonglitschen‘. Das schien das Komitee zu inspirieren und die Boote wurden erneut gewassert. Ein schöner Lauf kam für die Piraten bei ca. 2-3 Bf. Südwind zustande, bei dem die seglerische Nase gefragt war, da kein ‚Ho-Chi-Minh-Pfad‘ zur Verfügung stand.

Am Freitag zeigte sich das Wetter ähnlich wie tags zuvor. Nur war der Südwind konstanter, so dass bald die letzten zwei von total 11 ausgeschriebenen Wettfahrten gesegelt werden konnten.

Europameister wurden Sascha Schröter / Holger Hoff knapp vor Krüger / Meewes (der letzte Lauf machte es erst klar). Als einzige Nicht-GER-Crew konnten Stephan Fels / Patrick Ruf nach verhaltenem Beginn und fulminantem Finish in die GER-Phalanx der ersten Zehn eindringen und den sehr guten 5. Platz belegen.

Die anderen Schweizer Piraten laben sich eher an kleineren Erfolgen. So lag Nuifroda nach dem ersten Tag auf dem ausgezeichneten Platz 20 und verzeichnete eine 10. Laufrangierung, rundete Epaminondas die Luv-Boje einmal als Zweiter und realisierte La Ola eine 7. sowie eine 8. Laufrangierung. Die Highlights wurden auf dem Wasser jeweils mit Rum aus der Schatulle von Nuifroda gefeiert – merçi.

Die Piraten wurden an Land vom SC Ebensee echt verwöhnt. Die herzliche Gastfreundschaft begann mit dem Frühstück und spannte sich über das obligate Landungsbier bis hin zu den leckeren Nachtessen – ein Österreicher-Abend mit lokalen Spezialitäten, Wein-Degustation und ‚Schnapserl‘ inklusive. Für die Begleitpersonen wurde an zwei Tagen ein interessantes Programm in der lieblichen Umgebung vom Traunsee mit Besuch von Museen, einem Salzbergwerk, Stadtbesichtigungen etc. organisiert. Am Freitag trafen sich alle Exponenten der Traunseewoche (um 1‘000 Personen) gediegen auf Schloss Orth zum Nachtessen und zur Meisterfeier der Piraten. Das Hacke-Beilen wurde erneut vom professionellen Moderator gekonnt in halbwegs erträglichen Grenzen gehalten.

Allen, die zum Gelingen dieser wirklich toll gelungen Meisterschaft beigetragen haben, spreche ich hiermit – sicher im Namen aller SUI-Crews – nochmals ein ganz grosses Dankeschön aus!

Zwei Punkte sind nach dieser EM klar geworden: Les absents ont toujour tort und die nächste EM findet im September 2017 in Istanbul statt.

Mast- und Schotbruch

Dani
La Ola – SUI 538