Schweizermeisterschaft ohne Schweizermeister 2016

Die internationale Schweizermeisterschaften der Piraten und der Tempest fand vom Do. 1. - 4. September 2016 beim Segel-Club Sempachersee statt.

Nach der Ankunft spürte man sofort die durchdachte Organisation auf dem Platz, die mit beachtlichem Personaleinsatz dafür sorgte, dass die rund 40 Boote auf dem doch nicht gerade üppig grossen Areal sehr gut aneinander vorbeikamen und dass die Trailer per Minitraktor unverzüglich auf den abgelegeneren Trailerpark kamen.

Die Vermessung war unspektakulär. Es kam einzig Nervosität auf, als ein Pirat zuwenig abgehakt werden konnte. Für die später anreisende Attiéké wurde unkompliziert ein Nachvermessungstermin auf den Freitag angesetzt (danke Ernst für’s Frühaufstehen und für den Spezialeffort). Schlussendlich waren 20 Piraten (18 SUI- und 2 GER-Boote) sowie 19 Tempest im Einsatz.

Und nun zum stabilen Hochdruckgebiet, das sich just am Donnerstag nach einer kleinen Störung wieder etabliert hat. Dieses bescherte wohl spätsommerliche Wärme aber auch keinen meisterlichen Wind. An den ersten zwei Tagen gab sich der See entweder spiegelglatt oder höchstens streifig gekräuselt, so dass die Flotillie untätig blieb. Man übte sich in Warten und hoffte aufs Wochenende.  

Die Piraten haben sich bei den Tempest und dem Club als bemerkenswert jung und kollegial profiliert; Das fiel insbesondere in den nicht seltenen Wartezeiten auf:

  • Eine erfreuliche Zahl von jungen Frau- und Mannschaften war zugegen;
  • Man hat sich wie üblich geholfen beim Ein- und Auswassern (hat selbst unsere Gastpiraten beeindruckt) und darüber hinaus;
  • Es gab ein Schwimmevent der JuniorInnen;
  • Man hat auf der Slack-Line über das Wasser balanciert;
  • Ein veritables Wasserballturnier mit vier Teams wurde veranstaltet (sogar mit Beteiligung einiger Tempest-Segler);
  • Auf dem Wasser wurde tüchtig Piraten-Polo gespielt – oder war es eher Piraten-Baseball?
  • Regelmässig wurde gejasst (wie üblich bei Zwirbel auch auf dem Wasser – mit wasserfesten Karten, versteht sich) und Wikingerschach gespielt;
  • Einige Piraten haben flink das Tanzbein geschwungen etc.

Auf jeden Fall haben die Piraten abends regelmässig die Gemütlichkeit am längsten genossen. Dies lag wohl nicht zuletzt an der nahen Unterkunft unter den Obstbäumen eines benachbarten Landwirtschaftsbetriebs. Die Schweinezucht war zwar nicht immer der angenehmste (Nacht-)Nachbar; Dafür konnte man im Hofladen bequem Bioprodukte einkaufen.

Am Samstag kam am späteren Vormittag tatsächlich Hektik auf und wir konnten auslaufen. Diese legte sich bei den Piraten nur allmählich und prompt gab es zuerst einen allgemeinen Rückruf. Die Wettfahrtleitung blieb cool und schickte uns erneut mit dem blauen Peter los. Nur noch drei waren übermotiviert: Chaotic befreite sich und zwei kassierten leider OCS. Das Race erforderte gute Beobachtungsgabe, Feingefühl bei 1-2 Bf sowie etwas Glück. Flitzpiepe war schnell vorne und auch Epaminondas. Um den dritten Platz kämpften zum Schluss Chinook, Zwirbel und La Ola. Danach schlief der Wind ein und man fand sich erneut an Land wieder beim Warten. Erst am Nachmittag versuchte das Komitte nochmals einen Start hinzukriegen. Jetzt mischte aber der Föhn halbherzig mit und es blieb somit beim Versuch – ab in den Hafen. Wenige Piraten haben auf dem Rückweg den erstarkenden Föhn genutzt, um weiter die wunderschöne Abendstimmung segelnd zu geniessen; Für ein Race hätte das jedoch zeitlich nicht gereicht. Fazit des dritten Tages: Immerhin ein gültiger Lauf mit 18 Piraten.

Für Sonntag Nachmittag war eine Westwindfront angesagt und auch am Morgen früh könnte es vielleicht klappen. Es wurde das Skipper Meeting auf 8 Uhr vorverlegt und die letzte Startmöglichkeit auf 16 Uhr ausgedehnt; Letzteres galt, falls die SM mit einem vierten Lauf noch zu retten wäre. Wir wurden gegen 10 Uhr aufs Wasser geschickt, wobei beim Einwassern plötzlich höhere Erwartungen aufkamen, denn die Segel begannen zu schlagen. Die Freude dauerte nicht lange. Das Komitee versuchte mit Bojen und Linie dem drehenden Wind zu folgen – vergebens, denn dem Westwind bot der Föhn die Stirn; Immerhin war die Föhnfenster-Stimmung Richtung Zentralschweiz imposant. Ein Lauf wurde schlussendlich gegen Westen gestartet aber die Boote fanden spätestens auf dem ersten Vorwindkurs bald nur noch äzende Verhältnisse, so dass Race und SM abgeschossen wurden.

Kulinarisch wurde viel geboten. Am Donnerstag fand man sich beim Apéro riche mit einem wirklich famosen Buffet und Weisswein ein. Am Freitag wurde nach dem Freibier ein besonderer Grillabend veranstaltet, anlässlich dessen man den eigenen Grillspiess selbst vielseitig zusammenstellen und grillieren konnte. Am Samstag wurde ein Tessinerabend mit Salat, Wurst, Risotto und Torten-Dessert gegeben, wozu ein feiner Merlot perfekt passte. Selbstverständlich musste man auch zwischendurch nie darben.

Dem OK zu Land und zu Wasser darf man ein riesengrossses Kränzlein winden. Sie haben mit enormem Einsatz, Freude und Geschick nichts unversucht gelassen, um die notwendigen Läufe trotz der widrigen Umstände hinzukriegen und um die Gäste zu verwöhnen – ganz herzlichen Dank!

Nach der Rangverkündigung wurden Stephan und Patrick zum Steg gezerrt und gingen baden – etwas viel Nass für nichts von Meister. Einige folgten ebenso unfreiwillig in den See inklusive neue Sonnenbrille von Flurina. Und schlussendlich habe ich mich für wenig Segeln dafür für ein eindrückliches Wochenende vor die Tastatur gesetzt. Weiteres siehe Facebook.

Mast- und Schotbruch

La Ola / SUI 538
Dani